Ein Jahr in Norwegen an der Nordfjord Friluftslivskule (2005/2006)

Wer wünscht sich so etwas nicht?

Abenteuer erleben, neue Menschen kennenlernen, eine neue Kultur und Natur zu erleben und spielerisch eine neue Sprache zu erlernen. Dies alles bietet ein Schuljahr an einer norwegischen folkehøgskole (ausgesprochen: „Folkehögskule“).
Wörtlich übersetzt heißt folkehøgskole Volkshochschule, sie ist aber nicht mit der deutschen Volkshochschule vergleichbar und von daher benutzt man lieber das norwegische Wort.
Eine folkehøgskole ist eine examenfreie Internatschule, welche aus einer skandinavischen Kulturtradition heraus entstanden ist. Die zentralen Werte im Leben und im Unterricht an einer folkehøgskole sind Demokratie und Gleichwertigkeit. Es werden traditionelle und nichttraditionelle Fächer angeboten, wobei besonderes Gewicht auf persönliche Erfahrung, Erlebnis und Dialog gelegt wird. Ziel ist es, die Menschen zu inspirieren, zu motivieren und zu engagieren. Genauso wie die fachliche Ausbildung steht die soziale und persönliche Weiterentwicklung stark im Vordergrund.
Die meisten Studierenden einer folkehøgskole sind zwischen 18 bis 25 Jahre alt und besuchen die Schule für ein Jahr. Ein Schuljahr dauert neun Monate, es startet im August und endet Anfang Mai.
Das Fächerangebot ist von Schule zu Schule verschieden. In Norwegen kann man zwischen 77 Schulen wählen. Das Fächerangebot reicht von Literatur, Handwerk, Kunst oder Sport bis hin zu Leben in und mit der Natur. Die Unterrichtssprache ist norwegisch, ausgenommen einige internationale Fächer. Es werden oft Norwegisch-Kurse angeboten, für Studenten die kein norwegisch sprechen können. Meine Erfahrungen und die meiner internationalen Kameraden zeigen aber auch, dass sich selbst mit wenig oder gar keinem Unterricht ein schneller Erfolg in der Sprache einstellen wird. Da ich 24 Stunden immer mit der Sprache konfrontiert wurde und gute Übersetzungen und Erklärungen auf Englisch erhielt, habe ich nach wenigen Monaten ein fließendes Norwegisch erlernen können.
Wie schon erwähnt, ist eine folkehøgskole eine Internatschule und nur in den seltensten Fällen wohnen die Schüler zu Hause. Die meisten müssen viel zu weit reisen, um immer zwischen Heimat und Schule zu pendeln. Außerdem gehört es zur Philosophie der Schule im Internat zu wohnen. Die folkehøgskole ist eine Gesellschaft im Kleinen. Die Schulen haben je zwischen 60 und 100 Schüler, die zusammen auf dem Campus leben und 24 Stunden, 7 Tage die Woche gemeinsam im nahen Kontakt zu den Lehrenden stehen. Dies trägt dazu bei, dass der Unterricht intensiver und persönlicher wird und ermöglicht eine ganz außergewöhnliche soziale Erfahrung. Die Ausstattung einer Schule ermöglicht den Schülern auch ihre Freizeit sinnvoll zu nutzen.
Die Studierenden kommen aus ganz Norwegen und Skandinavien sowie einige wenige aus anderen Ländern.

Willkommen an der „Nordfjord Folkehøgskule“
für friluftsliv

Friluftsliv heißt übersetzt Freiluftleben. Bei uns in Deutschland hat sich dafür das englische Wort „Outdoor (-life)“ eingebürgert. Wie schon erwähnt, habe ich ein Schuljahr an der Nordfjord Folkehøgskule absolviert, die sich auf das Leben in und mit der Natur spezialisiert hat. Die Schule bietet 7 Hauptfächer in Outdoorsport und Outdoorleben an.
Zur Auswahl stehen Friluftsliv: Aktivität, Wind und Wasser, Ski, Expedition, Jagen und Fischen, Gletscher und Berge und KRIK.
Auf was sich die einzelnen Fächer spezialisiert haben, ist schon aus den Namen zu erkennen. Friluftsliv/ KRIK wird allerdings bei den meisten keine Assoziation hervorrufen. KRIK ist die Abkürzung für Kristen Idrettskontakt und heißt wörtlich übersetzt Christen Sportkontakt. Um es einfach zu beschreiben, muss man sich KRIK vorstellen, wie den deutschen Alpenverein plus einen starken christlichen Hintergrund und Lebensinhalt.
Da ich gerade beim Christentum bin. Die Nordfjord Folkehøgskole ist eine christliche Schule. 60 Prozent der Studenten sind christlich erzogen. Ich hatte jedoch nie einen Zwang aus schulischer Richtung verspürt, mich streng christlich verhalten zu müssen. Natürlich bestanden gewisse Regeln, wie Rauchverbot und Alkoholverbot, Aber das gilt an jeder Folkehøgskole, ob christlich oder nicht. Bei uns wurde sich daran gehalten. Wer an diese Schule kommt, wünscht sich ein solches Schuljahr. Daher beginnt und verlässt man die Schule hoch motiviert und respektvoll. Genauso wird man auch von den Lehrern behandelt. Eine solche intensive, geachtete und offene Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden habe ich zuvor noch nie erlebt.
Mein Hauptfach war Friluftsliv/ Wind und Wasser. Fast wöchentlich waren alle Klassen auf Mehrtagestouren. Mit meiner Klasse war ich mit dem Kanu, Kajak und traditionellen Booten unterwegs. Wir gingen auf Wandertouren und im Winter auf Skitouren. Wir machten den Tauchschein zum Tauchen für Tiefen bis 18 Meter, erhielten eine Einführung im Surfen und wir hatten im Winter Unterricht im Kiten auf Ski. Jeder Schüler unserer Schule absolvierte einen Erste Hilfe Kurs. Wir wurden in die Kameradenrettung auf Land und Wasser eingeführt und nahmen an einem Lawinenkurs teil. Der Höhepunkt des Schuljahres war ein zehntägiger Segeltörn von Norwegen zu den Shetland Inseln.




Mehr Infors zu meiner Schule und allgemein unter:

www.friluftslivskulen.no
www.folkehogskole.no 

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www.kroeppchen.de Steffen